KulturArena Jena 2026
Die Dänin in Berlin – wie ist das so? Wir dürfen ein paar ausgewählte Eindrücke zum Besten geben: Sie mag es, dass man sich hier “nicht mit Bullshit aufhält“, dass sie in diesem treibenden und bunten Eldorado der Künste alles frei entfalten kann. Sie mag es nicht, sich mit der deutschen Steuerbehörde auseinanderzusetzen oder beim Arzt eine halbe Stunde Papierkram zu erledigen, bevor dann 5 Minuten für die Untersuchung verbleiben. Und schon ist es geschehen: Sie spricht uns aus der Seele.
Dass sie dazu fähig ist, zeigt vielmehr ihre Musik – zart und geheimnisvoll, schwebend zwischen Melancholie und Licht, zwischen Sicherheit und Unsicherheit. Agnes Obel beherrscht die kraftvolle Kunst der leisen Magie und das Spiel mit untrennbaren Gegensätzen: Seit ihrem gefeierten Debüt Philharmonics verzaubert die dänische Sängerin, Pianistin und Komponistin mit einem ruhigen Klang, der gleichzeitig intim wie monumental auf den zuhörenden Resonanzraum einwirkt.
Zufall? Nee! Stille ist nicht nur das musikalische Stilmittel in ihren Songs, sondern auch der Rahmen für ihre Arbeit. Obels Songs entstehen oft in stillen Räumen, privat und sehr für sich. Dort formt sie aus fließendem Klavierspiel, vielschichtigen Gesangsharmonien und feinsinniger Melancholie einen Sound, der an Kammermusik erinnert und doch zeitlos modern klingt.
Bekannt geworden ist Agnes Obel nicht nur durch ihre unverwechselbare Klangästhetik, sondern auch durch ihre Fähigkeit, Musik als eine Form des Erzählens zu begreifen. In ihren Kompositionen spiegelt sich eine gewisse Sensibilität für das Ungesagte, für die feinen Brüche des Lebens und irgendwie scheint jedes Stück das Fragment einer größeren Geschichte zu sein. Zugegeben: Die Geschichte mit dem Konzern in magenta gehört nicht zu ihren liebsten, wenngleich der Song “Just So“ wohl für immer ein Teil unseres musikalischen Gedächtnisses bleiben wird. Darauf ist die Ausnahmekünstlerin glücklicherweise nicht angewiesen – zu gut und gefeiert sind ihre weiteren Werke, wie “Riverside“, “Familiar“ oder “Fuel to Fire“. Stille Intensität, die lange nachklingt: Nun endlich, nach 15 Jahren, ein Wiedersehen bei der Kulturarena in Jena.
Foto: Alex Bruel Flagstad

